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Figur, Stürzende

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Babi Jar, Holocaust, Gewalt, Opfer, Ukraine

Babi Jar - Große Stürzende

Werkverzeichnis-Nr.:
094
Objekttyp:
Alternative Titel:
Stürzende (Sammlung Ludwig), Große Stürzende, Stehende Frau
Entstehungsort:
Atelier Berlin-Altglienicke
Technik / Material (Werteliste):
Bronzeguss
Technik / Material (Freitext):
Bronzeguss, patiniert
Maße (HxBxT):
68 x 12.5 x 11 cm
Plinthe: 1 x 10 x 18 cm
Eisenguss: 61 x 12 x 11 cm
Nummer innerhalb der Auflage:
unbekannt
Aus einer Auflage von:
unbekannt
Tatsächliche Auflagenhöhe:
unbekannt
Bemerkungen zum Multiplikat:
Peter Selinka bekam das Gipsmodell von W.S., wovon 3 Bronzegüsse entstanden
Signatur:
unbekannt
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbekannt
Beschriftung, von fremder Hand:
unbekannt
Objektbeschreibung:
sehr schmale weibliche Figur, Beine voreinander gesetzt, Arme angewinkelt, Hände/Fäuste vorm Gesicht
Artefakte / Herstellungsprozess:
mehrfach und von verschiedenen Gießereien gegossen, Erstguss Bronze 1970, auch in Eisen von Kunstgießerei Flierl UG, 2013/post mortem: Auflage 6 im Auftrag von Sylvia Hagen und Stefan Behrens, Kunstsammler. 1992 und 1993 auch Güsse in der Kunstgießerei Wilfried Hann
Aktueller Standort:
Lindenau-Museum, Altenburg, Kunstsammlung
Aktuelle Inventarnummer:
5124
Aktuelle Präsentation:
Depot
Eigentümer:
Lindenau-Museum Altenburg
Zugangsjahr:
1985
Zugangsart:
Ankauf
Voreigentümer:
Staatlicher Kunsthandel der DDR, 21. Dresdner Kunstauktion
Bemerkungen zur Provenienz:
auch Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Große Stürzende, Bronzeguss, 59.5 x 11.5 x 10.5 cm, Gesamthöhe 71 cm, Platte 10 x 17.5 cm, 10.4 kg; Inv.-Nr. ZV 3739, Albertinum, Brühlsche Terrasse, Depot (erworben 1973 Galerie am Sachsenplatz, Leipzig); Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle, MO III 00658 (Ankauf 1984 aus Staatlichem Kunsthandel der DDR); Kunstmuseum Magdeburg, Nationale Sammlung Kleinplastik, Inv.-Nr. 237 (Ankauf vom Künstler, 1977); Museum der Bildenden Künste, Leipzig, Leihgabe der Ludwig Stiftung Aachen (dort "Stürzende", Guss von 1981, 67 x 11 x 10 cm, Sockelplatte 20.5 x 10.5 cm); Kunstverleih Berlin, Treptow-Köpenick, seit 2008 (dort als "Stehende Frau" inventarisiert); Sammlung Gudrun Selinka, Ravensburg Albertshofen; Privatbesitz, Berlin (Betonguss); Privatbesitz, Bergisch Gladbach
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Werner Stötzer befasste sich immer wieder mit geschichtlichen Ereignissen. Er fühlte sich oft vom konkreten Leid angesprochen und zur Gestaltung im Selbstauftrag aufgefordert. Die Auseinandersetzung mit dem Gedicht von Jewtuschenko „Es steht kein Denkmal über Babi Jar“ (1961) veranlasste ihn Ende der 1960er/1970er Jahre und erneut 1995 zu mehreren Skulpturen in unterschiedlichen Materialien. (Jewtuschenko erinnert in seinem Gedicht an das Massaker in der Schlucht Babi Jar bei Kiew, in der die Nazis im September 1941 innerhalb von zwei Tagen 34.000 Kiewer Juden erschossen und verscharrten. Das Massaker blieb lange einer breiten Öffentlichkeit unbekannt.)
Nur die Gebärde der verschränkten Arme vor Oberkörper und Kopf deutet bei der schlanken weiblichen Aktfigur auf eine Schutzhaltung hin. Es ist eine knappe Gestik der Abwehr. Die aufrechte Haltung unterstützt die Ausstrahlung von Würde und Stolz des Menschen, die trotz der äußeren Bedrohung nicht verloren geht. Dieses Anliegen des Künstlers wird auch durch die Wirkung der Skulptur unterstrichen, die man mehr als aufsteigend und nicht als stürzend auffassen könnte.
Die Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Karin Thomas erinnert sich 2019:
„Im Herbst 1990 besuchte Werner Stötzer den DuMont Buchverlag in Köln, um mit uns den Katalog zu der Ausstellung zu konzipieren, die 1991 in der Akademie der Künste zu Berlin und im Rheinischen Landesmuseum Bonn stattfinden sollte. Obwohl wir schon einige Arbeiten des Künstlers kannten, waren meine Verlagskollegen und ich selbst außerordentlich fasziniert von der bildkünstlerischen Ausdruckskraft und der subtilen Zwiesprache mit den Werkstoffen Stein und Bronze, die wir an den vielen Bildvorlagen für den Katalog ablesen konnten. So entwarfen wir mit dem Künstler den Plan, eine seiner bedeutenden Bronze-Skulpturen in einer begrenzten Edition noch einmal aufzulegen. Doch Werner Stötzer selbst sah angesichts der Turbulenzen in der frühen Nachwendephase keine Möglichkeit, diesen Plan realisieren zu können. So bereiteten meine Kollegen gemeinsam mit mir dem Künstler den Vorschlag, einen Nachguss der ʹGroßen Stürzendenʹ von 1970 in einer niederrheinischen Gießerei in Auftrag zu geben. Stötzer lieh uns die Gipsform und wir ließen die ʹGroße Stürzendeʹ in einer Auflage von vier Exemplaren 1991 gießen. Jeder von uns Dreien (Mitarbeiter des Verlages) erwarb ein Exemplar. Das Vierte wurde mit der Rückführung der Gipsform dem Künstler zur Verfügung gestellt. Weitere Nachgüsse erfolgten nicht.“
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
Digitales Original
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
nein

Akademie der Künste zu Berlin u.a. (Hg.), Werner Stötzer: Skulptur und Zeichnung, Köln 1991, hier: S. Taf. 33.
Bildhauergalerie Messer-Ladwig, Berlin (Hg.), Werner Stötzer, seine Lehrer, seine Schüler, Berlin 1989, hier: S. 41.
Gerhard Marcks-Stiftung Bremen (Hg.), Werner Stötzer, Bremen 1986, hier: S. 34,35.
Gustav Seitz Stiftung (Hg.), Gustav Seitz und Werner Stötzer. Meister der Figur, Müncheberg, OT Trebnitz 2019, hier: S. 19.
Jacobi, Fritz u.a., Werner Stötzer. Plastik und Zeichnung, Berlin 1977, hier: S. 60, Kat.-Nr. 60 3 Abb.
Kolb, Karin/Lupfer, Gilbert/Roth, Martin (Hg.), Zukunft seit 1560. Von der Kunstkammer zu den Staatlichen Kunstsammmlungen Dresden, Dresden 2010, hier: S. 268, mit Abb.
Lindenau-Museum Altenburg (Hg.), Das Lindenau-Museum Altenburg, 2015, hier: S. 218f., Abb. 219.
Schwedenspeicher Museum (Hg.), Joachim John. Druckgrafik und Zeichnungen, Werner Stötzer. Plastik, Stade 1989, hier: S. 62.

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Lindenau-Museum Altenburg