Druckausgabe (PDF)

Themen

Sachindex
Relief, Figurengruppe, Komponist, Dichter, Zweiter Weltkrieg, Holocaust

Personenindex
Schostakowitsch, Dmitri, Jewtuschenko, Jewgeni

Ortsindex
Babi Jar, Ukraine

Babi Jar

Werkverzeichnis-Nr.:
069
Objekttyp:
Entstehungsort:
Atelier Berlin-Altglienicke
Technik / Material (Werteliste):
Kupfer
Technik / Material (Freitext):
Kupfer getrieben auf Zinkgusskern
Maße (HxBxT):
51 x 71 cm
insgesamt 76.3 x 59 cm
Tiefe nicht ermittelt
Maße der anderen Güsse minimal abweichend
Signatur:
unsign.
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbez.
Beschriftung, von fremder Hand:
unbeschr.
Objektbeschreibung:
sieben stürzende Körper, eng aneinander gefügt
Artefakte / Herstellungsprozess:
Stötzer experimentierte zu diesem Thema in verschiedenen Materialien bis zum Bronzeguss 1972. Als Zementguss existiert sowohl das vollständige Motiv wie auch ein Bruchstück (Privatbesitz, Berlin)
weitere Güsse in Aluminium, Zement
Aktueller Standort:
Privatbesitz, Oberhausen
Aktuelle Präsentation:
Privatraum
Eigentümer:
Privatbesitz, Oberhausen
Zugangsjahr:
2012
Zugangsart:
Ankauf
Bemerkungen zur Provenienz:
erworben in Berliner Graphikpresse, XIV. Versteigerung 2012, Los-Nr. 334; eines von zwei existierenden Exemplaren; auch im Nachlass Werner Stötzer (1 x Kupfer und 1 x Kunststein)
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Mit "Babi Jar" beginnt Stötzer Mitte der 1960er Jahre die individuell geprägte künstlerische Aufarbeitung der Zivilisationsbrüche des 20. Jahrhunderts. Es ist ein drastischer Formschritt, den er vollzieht, während er noch an "Katastrophen und Idyllen", den 12 Reliefs der Bronzetür für das Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, arbeitet. Den Bildhauer regten im eigenen Schaffen immer wieder Verse großer Autoren von Format - Klopstock, Kleist, Bobrowski, Eluard - zur Auseinandersetzung an. 1961 veröffentlicht der damals junge Poet Jewgeni Jewtuschenko das Gedicht "Babi Jar" und Dmitri Schostakowitsch unterlegt ein Jahr später seine 13. Sinfonie mit diesen Versen. Beide tragen das Thema Babi Jar und die mit ihm verbundenen tragischen Ereignisse mahnend in die Welt. Es geht um das Gedenken an die Opfer einer der größten Massenexekutionen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. In der Weiberschlucht von Kiew fielen 1941 dem Massaker 34.000 jüdische Bürger, Männer, Frauen und Kinder, zum Opfer. "Das Unkraut über Babi Jar raunt bös./... Stumm schreit hier alles, und das Haupt entblößt,/.../Ich bin das Echo tonlos mächtigen Schreis,/der über abertausend Tote rinnt./.../ Nur kein Vergessen! Doch auch kein Erbarmen!" (Zit. aus: Jewgeni Jewtuschenko, Mit mir ist folgendes geschehn. Berlin 1963, S. 157) Es scheint, als habe der Bildhauer die 1963 durch Paul Celan und Franz Leschnitzer ins Deutsche übertragenen Verse zu einem mahnenden Sinnbild verdichtet. In Stötzers kleinformatigem Relief liegen ermordete menschliche Leiber in Reihe eng nebeneinander. Dieses Thema vorsätzlicher Gewalt und Vernichtung beschäftigt den Künstler fast 30 Jahre lang - auch im Stein. 1995 kehrt er mit "Babi Jar III", Marmor, ein letztes Mal zu ihm zurück. Nun ist es ein Torso, der eine einzelne, 58 cm hohe Gestalt im Fallen zeigt und deren Schicksal Tribut zollt. Der aktuelle Standort dieses Werkes konnte bisher nicht verifiziert werden.
Stötzer lassen die dunklen Ereignisse und Schicksale des 20. Jahrhunderts nicht los: Auschwitz, Guernica und der Geschichte um das Zigeunerlager in Berlin-Marzahn 1936 sind weitere bedeutende Bildwerke von ihm gewidmet.
Weitere Abbildungen:

Babi Yar
Bronze
1972
Ausstellung "Utopie und Katastrophe", Galerie am Amalienpark, Berlin 2015/16

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Galerie am Amalienpark

Babi Jar
1967
Zementguss
in der Ausstellung "Figur als Widerstand", Hamburg, am Jungfernstieg 2013

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: panoramio

Entwurf zu Babi Jar
1967
Gips, getönt
32 x 26.5 x 6.5
Privatbesitz, Berlin

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Barb Kirkamm
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
s/w Digital Repro
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
ja

Akademie der Künste Berlin, Werner Stötzer, Berlin 1993, hier: S. Künstlerheft 18, mit Baby Jar, 1964, Zinkguss, bezeichnet.
Akademie der Künste zu Berlin u.a. (Hg.), Werner Stötzer: Skulptur und Zeichnung, Köln 1991, hier: S. Abb. 22, 165 (Zinkguss).
Edition Galerie Schwind, Werner Stötzer: Skulpturen und Zeichnungen 1989-1998, Frankfurt am Main 1998, hier: S. unpaginiert, Abb. 44 (Marmor 1995) und 45 (Babi Jar III, Marmor 1995).
Jacobi, Fritz, Menschlicher Körper und plastische Gruppierung. Zum Werk des Bildhauers Werner Stötzer, in: Bildende Kunst 1978 6, S. 280ff., hier: S. 281.
Jacobi, Fritz u.a., Werner Stötzer. Plastik und Zeichnung, Berlin 1977, hier: S. 30 (Zementfassung, Zustandsfoto).
Kerner, Karin/Zimmermann, Inge, Zigeunerin in Marzahn, in: Neuer Berliner Kunstverein (Hg.), , Berlin 1995, S. 6, hier: S. unpaginiert, Abb. 3 (Babi Jar III, 1995, Marmor).
Schwedenspeicher Museum (Hg.), Joachim John. Druckgrafik und Zeichnungen, Werner Stötzer. Plastik, Stade 1989, hier: S. 66 (Babi Jar 1971, Marmor, Kat.-Nr. 87).

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Akademie der Künste, Berlin, Christian Kraushaar