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Relief, Dramatiker

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Müller, Heiner

Für Heiner Müller

Werner Stötzer; Kunstgießerei Flierl (Kunstformer, Kunstgießer) 1997
Stötzer, Werner [Werkverzeichnis Skulptur und Plastik] 299

Werkverzeichnis-Nr.:
299
Objekttyp:
Alternative Titel:
Epitaph für Heiner Müller (1998)
Entstehungsort:
Atelier Altlangsow/Oderbruch
Technik / Material (Werteliste):
Bronzeguss
Technik / Material (Freitext):
Bronzeguss, im Gipsmantel
Maße (HxBxT):
80 x 60 x 7 cm
dunkelbraun patiniert
Nummer innerhalb der Auflage:
unbekannt
Aus einer Auflage von:
5
Tatsächliche Auflagenhöhe:
unbekannt
Herstellung:
Kunstgießerei Flierl
Signatur:
unsign.
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbez.
Beschriftung, von fremder Hand:
unbeschr.
Objektbeschreibung:
bühnenartige Szene im ovalen Format mit je einer fragmentarischen weiblichen und männlichen Figur und wenigen Zeichen, wie einem Fisch und einem Herz
Artefakte / Herstellungsprozess:
2007 stellte die Galerie Joachim Pohl einen "3. Guss" aus
Aktueller Standort:
Nachlass Werner Stötzer
Aktuelle Präsentation:
Privatraum
Eigentümer:
Sylvia Hagen
Zugangsjahr:
2010
Zugangsart:
Erbe
Bemerkungen zur Provenienz:
Die Villa Grisebach bot am 01.06.2018 als Nr. 626 einen Unikatguss von 1998 aus einer Privatsammlung in Nordrhein-Westfalen (Bronze mit dunkelbrauner Patina, 100 x 61 x 7 cm, auf Steinsockel montiert)an; am 10. 07.2020 versteigerte sie diesen oder einen weiteren Guss unter Los-Nr. 314 in ihrer 320. Auktion.
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Heiner Müller (1929-1995) war einer der wichtigsten europäischen deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Mitglied der Akademien der Künste, Berlin (Ost und West), vor deren Vereinigung 1990-1993 Präsident der Akademie der Künste zu Berlin. Zwei Jahre nach seinem Tod widmete Stötzer dem scharfsinnigen Denker und Dichter einen Epitaph. Was beide Künstler verband, war ihr Interesse an der Geschichte im Unheil, am wirklichen Zustand der Welt. Und sie hatten die Vereinigung der beiden Berliner Künstlersozitäten gemeinsam auf den Weg gebracht, tranken gern und rauchten wie die Schlote. Müller hatte nicht vergessen, wie Stötzer einen Kritiker, der Müller fertig machen wollte, in die Flucht schlug (s. Inge Zimmermann, akademiefenster 2016, S. 125). Müller hatte einmal notiert: "Die DDR ist mir wichtig, weil alle Trennlinien der Welt durch dieses Land gehen."
Das Relief assoziiert einen Bühnenraum, spartanisch eingerichtet mit zwei darin aufrecht und zugleich verloren stehenden, ihre geschundenen Körper nach vorn gebeugten Figuren. Zwischen ihnen am Boden eine diagonale Grenzlinie. Auf dieser zwei ineinander verschlungene Kreise bzw. Ketten. Über der linken, der weiblichen Figur, deutet ein Fisch als Symbol des Unbewussten lebende Inhalte aus der Tiefenschicht der Persönlichkeit an. Höher gelegen, in der Mitte des Ovals, befinden sich die Umrisse eines Herzes. Der Raum zwischen diesen Elementen ist bewusst leer gehalten und als ein freier Denkraum für den gewürdigten Theater- und Akademiekollegen wie auch für den Betrachter des Epitaphs zu verstehen. In der formalen Reduktion der Dinge und der erschließbaren Tiefe der Assoziationen und Inhalte, die mit Heiner Müllers markanter Person und dessen außergewöhnlichen Leistungen verbunden werden, schuf Stötzer in dieser Plastik ein Relief von stiller, überzeugender Strahlkraft.
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
Digitales Original
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
ja

Edition Galerie Schwind, Werner Stötzer: Skulpturen und Zeichnungen 1989-1998, Frankfurt am Main 1998, hier: S. Tafel 83.
Galerie Leo.Coppi, Werner Stötzer Skulpturen, Berlin 1998, hier: S. unpaginiert, Abb. 20.
Galerie Leo.Coppi, Werner Stötzer zum 80. Geburtstag, Berlin 2011, hier: S. 15.
Galerie Reetdachhaus Heiddorf (Hg.), Werner Stötzer, Berlin 2005, hier: Innenseite links.
Stötzer, Werner, Notizen, in: Zimmermann, Inge (i.A. der Akademie der Künste, Berlin) (Hg.), Werner Stötzer. akademiefenster, Berlin 2016, S. 127 - 132, hier: S. S 125.
Zimmermann, Inge (i.A. der Akademie der Künste, Berlin) (Hg.), Werner Stötzer. akademiefenster 11, Berlin 2016, hier: S. 125.

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Inge Zimmermann