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Themen

Sachindex
Doppeltorso, deutsche Geschichte

Personenindex
Johann Gottfried Schadow

Prinzessinnengruppe

Werkverzeichnis-Nr.:
416
Objekttyp:
Entstehungsort:
Atelier Altlangsow/Oderbruch
Technik / Material (Werteliste):
Marmor
Technik / Material (Freitext):
Marmor, partiell gefaßt
Maße (HxBxT):
72 x 59.5 x 26.5 cm
Signatur:
verso monogr.: WS
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbez.
Beschriftung, von fremder Hand:
unbeschr.
Objektbeschreibung:
zwei eng nebeneinander stehende weibliche Torsi
Aktueller Standort:
Kunstmuseum Magdeburg
Aktuelle Inventarnummer:
P01-2002
Aktuelle Präsentation:
Depot
Eigentümer:
Sammlung des Landes Sachsen-Anhalt
Zugangsjahr:
2002
Zugangsart:
Dauerleihgabe
Bemerkungen zur Provenienz:
Erwerb vom Künstler
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Stötzer war es wichtig, sich dem Gegenstand durch die Form zu nähern. „Die Inhalte werden unwichtig, weil sie durch die Interpreten wichtig gemacht werden [...]“. Nur so könne die Form einen Sinn bekommen. „[...] die Form und nur die Form macht eine Arbeit zum Gegenstand. Meinem Gegenstand gebe ich einen Namen aus Gnade zur Form.“ (Hagen, Stötzer, 2002, S. 117). Das Statement von 1998 gilt auch für seine „Prinzessinnengruppe“. Mit dieser Doppelfigur, einem Doppeltorso, nimmt Stötzer auf überraschende, unkonventionelle Weise Bezug auf eine gut 200 Jahre früher entstandene beliebte lebensgroße Gruppe des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Sie zeigt die preußische Kronprinzessin und spätere Königin Luise mit ihrer jüngeren Schwester Friederike (1797, Marmor). Das im Auftrag des Königs entstandene Original steht in der Alten Nationalgalerie.
Stötzer zollt dem Hauptwerk des Berliner Frühklassizismus Tribut und verleiht ihm mit seiner von allen Gewändern und Details befreiten Adaption eine zeitgenössische Präsenz. Die heute in den zahlreichen Kopien als Dekorationsobjekt und Berlin-Souvenir entweihte historische Gruppe bekam ein anspruchsvolles Pendant. Zwei Torsi, eng aneinander gefügt, lassen keinen Zweifel aufkommen über die Nähe und Verbundenheit der beiden Figuren bzw. ihrer historischen Vorbilder. Die weiblichen Körper, im doppelten Rückenakt aus einem Marmorblock geschlagen, sind zwar um die Hälfte kleiner als das Schadowsche Original. Sie zeigen sich jedoch mit größtmöglicher Intensität rhythmisch durchformt; kräftigere, tiefere Linien rechts für die ältere Luise, zarter links die horizontalen Konturen des Körpers von Friederike.
Zu Magdeburg hatte Werner Stötzer stets eine besondere Bindung. Dort befindet sich mit 22 Werken seine größte öffentliche Sammlung. Im Kulturhistorischen Museum fand 1963 seine zweite Einzelausstellung statt. 1992 und 2002 folgten große Werkpräsentationen im Kunstmuseum, dessen Sammlungskurator mit Hilfe des Landes Sachsen-Anhalt mit der "Prinzessinnengruppe" eine wichtige Arbeit aus Stötzers Spätwerk erwerben konnte. Er war Ehrenmitglied im Verein der Freunde und Förderer des Magdeburger Kunstmuseums. (Gellner, Uwe Jens, Volksstimme Magdeburg, 30.07.2010)
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
s/w Digital Repro
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
nein

Freitag, Michael/Gellner, Uwe Jens, Sylvia Hagen, Werner Stötzer SKULPTUR ZEICHNUNG, Berlin 2002, hier: S. 91.
Gellner, Uwe Jens, Geformte Empfindungen, in: Magdeburger Volksstimme 30.07.2010, S. www.volksstimme.de/kultur/kultur_regional, hier: unpag.
Heise, Bernd/Flügge, Matthias/Fuhrmann, Matthias (Hg.), Wegzeichen, Berlin 2006, hier: S. unpag., Mappe mit 14 Skulpturen und Zeichnungen, Abb. 1.
Porstmann, Gisbert/Quermann, Carolin (i.A. der Städtischen Galerie Dresden) (Hg.), Existenz. Theodor Rosenhauer und Werner Stötzer, Dresden 2013, hier: S. 143, Abb. 57.
Volpert, Astrid, Der stumme Schrei der Steine. Sylvia Hagen und Werner Stötzer in Apolda, in: Neues Deutschland 09.11.2002, hier: S. 12.

© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Ilona Ripke