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Sachindex
Objektkunst, Readymade, Trash, Junk Art

Assemblage I-III

Werkverzeichnis-Nr.:
089
Objekttyp:
Beschreibender Titel:
dreiteilige Objektgruppe
Entstehungsort:
Röntgental
Technik / Material (Werteliste):
Styropor, Mixed Media
Maße (HxBxT):
Assemblage I 52 x 58 x 22 cm
Assemblage II 28 x 84 x 15 cm
Assemblage III 46 x 68 x 20 cm
Signatur:
unsigniert
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbezeichnet
Beschriftung, von fremder Hand:
unbeschriftet
Objektbeschreibung:
Die Assemblagen I - III sind plastischen Objekte, Raumkörper und Schaukästen zugleich. Sie bestehen aus verfremdetem Verpackungsmaterial, farblich verändert und mit verschiedenartigen Objekten bestückt (Transistorröhren, Spielzeugfiguren, mumifizierter Vogelkörper, Holzskulpturen in Miniatur, Abformungen in Gips wie Kleiner weiblicher Torso (V), goldene Zwiebel als Gipsabformung, getrockneten Pflanzen, kleine Motoren,...)
Artefakte / Herstellungsprozess:
Gaedicke befasste sich mit diesen Objekten ca. seit 1990. Für Form und Idee hat er gesammelt, arrangiert, montiert. Für die Objekten verwendete er Sockel, ebenfalls aus Styropor bestehende, ehemalige Verpackungsmaterialien. Diese sind nicht mehr erhalten geblieben, nur noch als Bildnachweise aus der Ausstellung von 1991 Wi(e)derstand, Galerie Bernau vorhanden.
Nach der Ausstellung hat er diese Schaukästen durch Einfügen oder Austausch von Fundobjekten weiter bearbeitet, neu arrangiert.
Aktueller Standort:
Depot
Aktuelle Präsentation:
Depot
Eigentümer:
Erbengemeinschaft C.-L. Gaedicke
Zugangsjahr:
2012
Zugangsart:
Erbe
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Endlich mal eine neue Variante mit dem Verpackungsmaterial umzugehen, muß sich wohl der Künstler gesagt haben, als er neben Stein und Papier nun auch Styropor als Arbeitsmaterial einsetzte. Interessant zu sehen, welche Umsetzungen der verschiedensten Materialien möglich sind.
Gerd Markert, Werke von C.-L.-Gaedicke, In: Niederbarnim-Echo, Juni 1991

Diesen Plastiken früherer Jahre aus traditionellen, dauerhaften Materialien stehen in reizvollem ästhetischen Kontrast zu jüngsten plastischen Objekten, Raumkörpern, Assemblagen, szenenartige Schaukästen oder auch Rundfunk-Fernsehreparatur-Schaufenstern, die Gaedicke erstmals aus dem Verpackungsmaterial Styropor baute. Seit dem Herbst 1989 hat er kein Muße mehr, in Stein zu arbeiten. Er mußte das ihn Beunruhigende, Bedrängende, daß sich in ihm angestaut hatte, abarbeiten, und das konnte er am besten mit den trivialen Relikten der neuen Konsum- und Wegwerfgesellschaft, die uns bis in die Wohnung zu ersticken drohen. "Diese Dinge schreien mich überall an" - mit diesen Materialien, die auf der Straße liegen, wollte er auf die Brüche der Wirklichkeit reagieren.
"Wi(e)derstand" hat er deshalb seine Ausstellung bezeichnet, in der Doppeldeutigkeit des Widerständigen wie des Wiederaufstehens als künstlerische Haltung, auch dem Material gegenüber, denn selbst dieses widersteht bestimmten Aktionen. König Ubu, die Perversion moralischer Kategorien als Zerstörung einer Wirklichkeitsillusion wird als Aushöhlungsprozeß einer vorgegebenen Form aufgeführt: So wie das 1896 aufgeführte Ubu-Stück Alfred Jarrys bleibt auch bei Gaedickes Popanz die Deutung offen, ist sie auf Fortsetzung, vielleicht sogar auf Wiederholung angelegt. ... Thematische und formale Strukturen liegen mitunter schon im Material der trivialen Warenproduktion selbst, dann wieder füllt der Künstler diese Raumgebilde mit dramatischem Inhalt - sie werden zu Sinnbildern für Abhängigkeiten und Bindungen, Wirkliches und Surreales. Es handelt sich um eine Inszenierung und zugleich um die Infragestellung einer Darstellung. Denn die Bauelemente und Baugruppen, Röhren und Transistoren, Drähte und Metallbänder, der Vogelkadaver, der am Fenstergitter verendet ist, die Spielzeugkuh auf der Wiese, unter der sich die Machtzentrale mit der (noch tickenden?) Zeitbombe befindet, die aus Draht und Festkörper geformte Muppet-Figur, das ganze Inventar von Alltäglichem und Alptraumhaftem sollten beim Betrachter ganz unterschiedliche Assoziationen auslösen, abhängig davon, wie er an dem gesellschaftlichen Prozessen teilgenommen hat, wie er heute mit der Vergangenheit umgeht, sie für sich aufarbeitet oder einfach verdrängt.
Klaus Hammer, Versatzstücke bedrängender Wirklichkeit. In: Neue Zeit, 8. Mai 1991
Weitere Abbildungen:

Assemblage I
in der Personalausstellung Wi(e)derstand,
Galerie Bernau 1991

© VG Bild-Kunst, Bonn; Yvette Ihlow-Gaedicke, Urs Ihlow
Foto: C.- L. Gaedicke

Assemblage II
1991
Styropor/Mixed Media
28 x 84 x 15 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn; Yvette Ihlow-Gaedicke, Urs Ihlow
Foto: Yvette Ihlow-Gaedicke

Assemblage III
1991
Styropor/Mixed Media
46 x 68 x 20 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn; Yvette Ihlow-Gaedicke, Urs Ihlow
Foto: Yvette Ihlow-Gaedicke

Assemblage III
in der Personalausstellung W(/e)derstand,
Galerie Bernau 1991

© VG Bild-Kunst, Bonn; Yvette Ihlow-Gaedicke, Urs Ihlow
Foto: C.-L. Gaedicke
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
Farbe Digital Repro
Weitere Reproduktionsvorlagen:
Farbe Papier
Kernbestand:
nein
Nachlassbestand:
ja

Hammer, Klaus, Versatzstücke bedrängender Wirklichkeit, in: Neue Zeit 08.05.1991.

© VG Bild-Kunst, Bonn; Yvette Ihlow-Gaedicke, Urs Ihlow
Foto: Yvette Ihlow-Gaedicke