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Themen

Sachindex
Figurengruppe, Zigeunerzwangslager, Nationalsozialismus, Gewalt, Opfer, Öffentlicher Raum

Ortsindex
Marzahn, Bezirksbibliothek

Zigeuner in Marzahn

Werkverzeichnis-Nr.:
261
Objekttyp:
Entstehungsort:
Atelier Altlangsow/Oderbruch
Technik / Material (Werteliste):
Bronzeguss
Technik / Material (Freitext):
Bronzeguss
Maße (HxBxT):
50 x 33 x 13.5 cm
Plinthe 1 30 x 25.5 x 11 cm
Plinthe 2 22 x 18 x 16.5 cm
Eisenplatte 39.5 x 30 x 0.8 cm
Nummer innerhalb der Auflage:
unbekannt
Aus einer Auflage von:
unbekannt
Tatsächliche Auflagenhöhe:
unbekannt
Bemerkungen zum Multiplikat:
1988 hat die Gießerei Schabow 5 Bronzegüsse hergestellt.
Signatur:
unbekannt
Bezeichnung, durch Künstler/in:
unbekannt
Beschriftung, von fremder Hand:
unbekannt
Objektbeschreibung:
zwei einzelne weibliche Figuren montiert, die eine hält beide Hände vor den Kopf, die andere lässt den rechten Arm nach unten hängen
Artefakte / Herstellungsprozess:
Dieser Guss stammt möglicherweise aus der Edition der Gießerei Schabow, Berlin.
Aktueller Standort:
Bezirkszentralbibliothek "Mark Twain", Freizeitforum Marzahn
Aktuelle Präsentation:
öffentlicher Innenraum
Eigentümer:
Bezirksamt Marzahn von Berlin
Zugangsart:
Ankauf
Bemerkungen zur Provenienz:
vom Künstler erworben
Zugangsjahr unbekannt
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
Der Architekt Otto Patzelt, den Werner Stötzer in Weimar an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst kennenlernte und mit dem er lebenslang befreundet war, erinnert sich: „Stötzer hat sich in den Jahren 1956-1960 mit großer Intensität mit dem antifaschistischen Widerstand beschäftigt, ohne eine konkrete bildhauerische Arbeit daraus abzuleiten, es war aber eine große Anteilnahme an menschlichen Schicksalen. Er las sehr viel, Karl May, Scholochow, Kafka, Benn, Hölderlin, Jewtuschenko, Goethe, Barlach usw. und natürlich Brecht…“
Werner Stötzer schuf über viele Jahre hinweg einen ganzen Zyklus zu dem Thema „Zigeuner von Marzahn“ in unterschiedlichsten Techniken. Eine Bronze-Gruppe dieser Serie steht in der Stadtbezirksbibliothek Berlin-Marzahn. Nur wenige Menschen wissen, dass es ganz in der Nähe der Bücherei ein Zwangslager gab, in dem Sinti und Roma unter katastrophalen Umständen leben mussten. Sie wurden vor Beginn der Olympischen Spiele 1936 von den Nazis aus ihren Wohnungen und Stellplätzen geholt und in dieses Lager gepfercht. Die meisten wurden ab 1938 in Vernichtungslager deportiert.
Ursprünglich waren es drei Frauenakte, die kreisförmig zueinander standen. Stötzer entschied sich später für nur zwei der Figuren, die sich gegenüber stehen. Mit wenigen einprägsamen Gesten wird ein Schutzbedürfnis angedeutet. Die Haltung der Figuren versinnbildlicht nicht nur das gemeinsame Schicksal, sondern auch das Zueinanderstehen.
Die skizzenhafte Modellierung in Wachs, die Stötzer besonders bei kleineren Bronzefiguren bevorzugte, ist im Guss sichtbar und erzeugt eine bewegte Lebendigkeit.
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
Digitales Original
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
nein
© VG Bild-Kunst, Bonn; Sylvia Hagen
Foto: Astrid Volpert