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Themen

Sachindex
Gesellschaftskritik, Wendekritik

Zaungäste - und die Mühlen mahlen weiter

Teil der Werkgruppe:
Freie Arbeiten Tuschmalerei
Entstehungsort:
Atelier, Berlin
Technik / Material (Werteliste):
Papier, Tusche
Technik / Material (Freitext):
Farbige Tusche auf Papier
Maße (HxBxT) :
76 x 95.2 cm
Signatur:
recto u.r.: G. PREUSS/ I.1989
Bezeichnung, durch Künstler/in:
verso u.m.:
Verhältnisse und Momente in bestimmter Zeit.
Der Winter ist kalt, der Krieg währt lang,
die Helden sind tot, die Kartoffel ist heiß,
der Hunger schmerzt sehr
die Wohnstätten in Trümmern,
das Leben geht weiter
die Jugend strebt, lange ist's her
Fahnen wehen nach dem Wind-
Zaungäste warten am Rande der Tat.
verso u.r.:
Ein ganz gewöhnlicher Morgen- wenn es an die Leier geht.
Anblick vom Luftschloß für viel tausend Geister- immer im sicheren Abstand, bevor die Kurbel sich dreht.
Zaungäste - tratschend- drängend- verlangend.
Doch wer ist auf dem Feld, wer in der Mühle, am schweren Stein?
Wer trägt die Verantwortung von dem einen Grund über dessen Negation in immer neuen Höhen?
Aktueller Standort:
Potsdam-Eiche
Aktuelle Präsentation:
Privatraum
Eigentümer:
Anne Preuß
Zugangsjahr:
2014
Zugangsart:
Schenkung
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
In der Werkgruppe „Freie Arbeiten Tuschmalerei“, zu denen insgesamt etwa 40 großformatige Arbeiten (teilweise über 120 cm Seitenlänge) zu rechnen sind, hat sich Gerhard Preuß in expressiver Weise mit den gesellschaftlichen und sozialen Verwerfungen der Jahre zwischen 1988 und 1993 auseinander gesetzt.
Die Rückkehr zu den privaten Eigentumsverhältnissen wie vor dem 2. Weltkrieg auch in den östlichen Bundesländern machte ihn wütend. Der Golfkrieg sowie der Balkankrieg waren in mehreren Werken Thema. Er war stark berührt von diesen Entwicklungen in und nahe Europa - hatte er doch als Kind die Verluste durch Krieg sowie die Armut nach sinnloser Zerstörung direkt miterlebt. Für mehrere Jahre verließ er seine von den Illustrationen bekannte, sonst so meisterlich detailreiche Arbeitsweise, um in den großen Formaten schwarze Tusche in heftigen Gesten auf vorbereitete, zerflossene Farbgründe zu werfen, zu klecksen und zu streichen. Mit themenkonzentrierten, fast poetischen Worten betitelte und beschriftete er seine Arbeiten. Die großen farbigen Werke finden ihre inhaltliche Fortschreibung in einer Vielzahl gesellschaftskritischer kalligraphischer Texte, die eine eigene Kategorie im künstlerischen Nachlass darstellen.
Weitere Abbildung:

Zaungäste - und die Mühlen mahlen weiter, Rückseite
01.1989
Tusche auf Papier
76 x 95.2 cm

© Anne Preuß; Gerhard Preuß
Foto: Anne Preuß
Vorhandene Reproduktionsvorlage (beste Qualität):
Farbe Digital Repro
Kernbestand:
ja
Nachlassbestand:
ja
© Anne Preuß
Foto: Anne Preuß