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Themen

Sachindex
Presse, Öffentlichkeit, Zeitgeschichte

"WENN DIE WAHRHEIT KOPF STEHT - STEHE ICH GENAU RICHTIG."

Objekttyp:
Beschreibender Titel:
Zeitungsleser, kopfstehender Zeitungsabschnitt: rerum cognoscere causas. Im Hintergrund ein zweiter Mann
Entstehungsort:
Berlin
Technik / Material (Freitext):
geklebte Papiere, Tusche
Maße (HxBxT):
24 x 17 cm
Bezeichnung, durch Künstler/in:
recto u.l.: "WENN DIE WAHRHEIT KOPF STEHT - STEHE ICH GENAU RICHTIG." 1948
Aktueller Standort:
Nachlass Peter Reinhold
Aktuelle Präsentation:
Privatraum
Eigentümer:
Daniela Reinhold
Zugangsjahr:
2004
Zugangsart:
Erbe
Kommentar / Kontext / Wirkungsgeschichte:
"Wenn die Wahrheit Kopf steht..." von des Künstlers Hand und aus eigener Intention bezieht sich offensichtlich auf den 'kopfstehenden' Wahrheitsgehalt der Presse.
Das Zitat "rerum cognoscere causas" stammt von Vergil und kann mit „Die Ursachen der Dinge erkennen“ oder freier mit „Den Dingen auf den Grund gehen“ übersetzt werden.

P. Reinhold studierte noch vor der Gründung der DDR im Teil der westlichen Alliierten Berlins an der Hochschule für Bildende Künste, lebte und blieb aber im östlichen Teil. Zu seinen Lehrern zählten Vertreter des Expressionismus und dessen 2. Generation. Zwischen Tradition, Moderne und Avantgarde suchte er sich zu positionieren und saß zwischen den Stühlen. Schwer fiel es ihm einerseits an der Hochschule, seine Sympathie für den sozialistischen Aufbruch zum Ausdruck zu bringen, andererseits wurde die Bildsprache seiner Schule offiziell in der DDR verdrängt. Eine öffentliche Wahrnehmung seiner künstlerischen Arbeit, die kontinuierlich neben seiner Arbeit an der Komischen Oper entstand, gab es seither nur vereinzelt - zu Beginn mit dem Gemeinschaftswerk von Vater und Sohn, Bruno&Peter Reinhold „Trümmerladestelle Waisenbrücke Berlin“, 1952. Beide traten als seinerzeit durchaus übliches „Künstlerkollektiv“ auf. Das Bild wurde 1953 auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden sowie 1957 auf der Berliner Ausstellung zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution „Revolutionäre sozialistische Kunst von 1917-1957“ gezeigt. In der AdK befinden sich s/w Foto-Reproduktionen von 2 Bildfassungen (vgl. Verweis-Abbildungen).
Stilistisch passte sich Peter R. hier dem realistisch arbeitenden Vater an. Zukünftig werden beide das malerisches Schaffen des anderen nicht respektieren. Im Sohn löste das eine „… starke künstlerische Krise nach meinem expressionistischen Einfluss beim Studium …“ aus. (zit.n: Reinhold, Peter: Tagebuch)
„Die expressive Zuspitzung der Form, eine starke lebensbejahende Farbgebung erschien mir in der Malerei als geeignet, dem revolutionären Geist unserer Tage, dem intensiven vorwärtsdrängenden Rhythmus unserer Zeit zu dienen. Ich glaubte im VBKD eine Stütze zu finden, wo ich 1950-53 in einigen Funktionen tätig war [...] Ich wurde abgewiesen, ich wurde ausjuriert - ich arbeitete weiter“, schrieb er 1962 in einem Brief an die Sektion bildende Kunst der Deutschen Akademie der Künste. (zit.n.: Reinhold, Peter, vgl. Publikationen/Schriftgut, S. 2)
Seine stilistische Entwicklung führte über spätexpressionistische Schritte zur abstrakten Bildsprache.
Weitere Abbildungen:

Künstlerkollektiv Peter & Bruno Reinhold
Trümmerladestation, o.J. [1952], vermutl. 1. Fassung
Öl auf Leinwand
71 x 110 cm
Akademie der Künste, Berlin, Verband Bildender Künstler-Personalakten Künstler (VBK-PAK) 10730 - Bruno Reinhold

© Daniela, Heike und Rose-Maria Reinhold
Foto: AdK, Berlin/ unbekannt

Künstlerkollektiv Peter & Bruno Reinhold
Trümmerladestelle „Waisenbrücke Berlin“. 1952
Öl auf Leinwand, sign. u. datiert
73 x 112 cm
AdK, Berlin, Kunstsammlung, Werkfotosammlung, Kollektive 2, Nr.: G 1

© Daniela, Heike und Rose-Maria Reinhold
Foto: AdK, Berlin/ Christian Kraushaar
Vorhandene Abbildungsvorlage (beste Qualität):
Farbe Digital Repro
Kernbestand:
nein
Nachlassbestand:
ja

Dähn, Fritz/Pommeranz-Liedke, Gerhard, Dritte Deutsche Kunstausstellung 1953, Dresden 1953, hier: S. 20.
Reinhold, Heike, Peter Reinhold. Grafik und Malerei, Berlin 2015, hier: S. 27.

© Daniela, Heike und Rose-Maria Reinhold
Foto: Heike Reinhold