Über uns

Vorstellung der Initiative

Mobiler-Nachlass-Service: ein Pilotprojekt aus dem Land Brandenburg

Korrespondenz unseres Pilotprojekts mit zwei Prämissen der kulturpolitischen Strategie des Landes Brandenburg: „der Aktivierung des bürgerschaftlichen Engagements“ und „ der Unterstützung von regionaler Identität“ sowie mit einer Prämisse der Landeskulturförderung: „der Digitalisierung von Kulturgut“. Unser Bemühen, Künstlernachlässe grundsätzlich als kulturelles Erbe in die Koalitionsvereinbarung oder die kulturpolitische Strategie des Landes Brandenburg einzubringen, gelang bisher nicht.

Unsere Entstehung
Die Initiative „Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ entstand im Mai 2011.
Am 31. Januar 2015 gründete sich der gleichnamige Verein, dem bis heute über 30 Mitglieder angehören.

Unsere Motivation und Ausrichtung
Der kaum beleuchtete Quellenwert von Künstlernachlässen für die regionale Kultur- und Kunstgeschichte war und ist unsere Motivation, einen „Mobilen-Nachlass-Service“ als neue Arbeitsstruktur entstehen zu lassen. Inzwischen bemühen wir uns mit gleicher Intensität um die Sensibilisierung der Künstlerinnen und Künstler für die Werk-Pflege parallel zur Werk-Entstehung. Denn hierin sehen wir den maßgeblichen Schlüssel für einen zukünftig effektiven Umgang mit Künstlernachlässen. Das Herz des „Mobilen-Nachlass-Service“ ist die quellengestützte Grundlagenforschung, ihre Dokumentation und Vermittlung durch mobile Fachberatung.

Das in den alten Bundesländern von Nachlass-Initiativen praktizierte Archiv-Modell, das sich räumlich wie personell längst seinen Kapazitätsgrenzen nähert, sehen wir nicht als perspektivische Lösung.

In den neuen Bundesländern ist die Sensibilität für Werk- und Nachlass-Pflege bisher in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg entwickelt.

Im Land Brandenburg offenbarten uns die Besuche privater Nachlasshalter, dass diese zum Engagement sehr bereit sind, die Erfassung und Vermittlung jedoch – allein auf sich gestellt – nicht leisten können.

Unsere Ziele
Integration der Nachlasshalter in die Erfassungsarbeit
Wir beziehen den privaten Laien als neue Kapazität in die digitale Nachlasserfassung ein, indem wir ihn fachlich führen und unterstützen. 90% der Nachlasshalter sind Laien. Die bisher von Museum oder Archiv zu leistende Aufgabe der Erfassung wird somit „ausgegliedert“.
Digitales Erfassen, Bewahren und Veröffentlichen
Auf diese Weise sind die erfassten Nachlasswerke zumindest(!) digital bewahrt und seit Mai 2014 zugänglich über unsere Datenbank.
Etablieren eines Kernbestandsdepots
Das digitale Erfassen und Bewahren ist zwar eine gute Voraussetzung für die Erschließung. Es bedarf dennoch der langfristigen Bewahrung eines ausgewählten Kernbestandes von Originalen und dessen Zugänglichkeit. Dafür sollte perspektivisch, so unsere Vision, ein öffentliches „Kernbestandsdepot“ auf Bundeslandesebene entstehen.

Unser Weg
Digitales Erfassungsformular als „Werkzeug“ für die Laienhand
Das Erfassungsformular ist kompatibel mit musealen Erfassungsstandards und -programmen. Wir entwickelten es wie
auch die Datenbank in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftshistoriker und Programmierer, Daniel Burckhardt, dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) und der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Studiengang Museumskunde. Durch seine leichte Handhabbarkeit ist dieses Erfassungswerkzeug auch zur Werk-Pflege bestens geeignet, d. h. zur Werk-Erfassung durch die Künstler selbst. Die laufende Erfassung erleichtert ihnen zunächst die Werk-Vermittlung zu Lebzeiten. Und für die zukünftigen Nachlasserben im Land Brandenburg wäre der Übergang des erfassten Werkes in die Datenbank gänzlich unkompliziert.
Das digitale Erfassungsformular kann auch von jedem Nachlasshalter und Künstler in anderen Bundesländern genutzt werden, dann natürlich ohne Bezug auf unsere Datenbank.
Zusammenarbeit mit der Hochschulausbildung
2014 erfasste den Nachlass von Werner Gottsmann (1924–2004) eine Studentin der Fachhochschule Potsdam,
FB Informationswissenschaften. In die Nachlasserfassung von Klaus Kehrwald (1959-2009) einbezogen war 2016/17
eine Studentin der HTW .
Transparenz nach außen
Seit Januar 2013 versenden wir einen Newsletter pro Quartal, der unsere aktuellen Aktivitäten vermittelt. Seit November 2015 gibt es einen Flyer (dt./engl.), der unser Angebot zusammenfasst. Die Website-Pflege ist selbstverständlich.
Wir sind einbezogen in bundesweite und internationale Tagungen/Symposien zum Nachlass-Thema. Wir bieten Fachtexte für Tagungspublikationen und Fachpresse. Diese offensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist wesentlich, um für die Nachlass-Problematik zu sensibilisieren und neue Kooperationspartner zu finden.
Kontinuierlich im Austausch stehen wir mit den Museen (mit bildender Kunst im Bestand), mit Galerien und privaten Sammlern sowie mit den Landesverbänden der Künstlerinnen und Künstler, der Museen, Archive und öffentlichen Bibliotheken.
Kulturpolitisches Engagement
Wir halten kontinuierlich Kontakt zu Kulturpolitikern und Kulturverwaltungen des Landes, der Kommunen und Landkreise. Kontinuierlich ist auch der Austausch mit Künstlervereinigungen und Nachlass-Initiativen anderer Bundesländer sowie mit den Kunsthochschulen in Dresden und Leipzig.
Seit 2015 engagierten wir uns für die Gründung und Strategie eines „Bundesverbandes Künstlernachlässe e.V" (BKN).
Am 4. März 2017 wurde er gegründet.

Unsere Arbeit im Detail
Der „Mobile-Nachlass-Service“ agiert als mobile Fachberatung in den Bereichen:

1. Erfassung von Nachlässen
- gattungsspezifisch, beginnend mit der jeweiligen Hauptgattung
- Auswahl eines Kernbestandes (5-10% ), der die Werkstruktur charakterisiert, durch Fachjuroren und die Nachlasshalter
- Empfehlung des Kernbestandes zur unbedingten Bewahrung
- angesichts der Werkqualität und der Arbeitskapazität der Erfasser mögliche Erweiterung zu einem Werkverzeichnis
2. Bewahrung von Nachlässen
- derzeit Beratung privater Nachlasshalter über kostengünstige Standard-Anpassungen der bestehenden Bedingungen
- „Kernbestandsdepot als Vision“, jeweils auf Bundeslandesebene, deutschlandweit
(als gemeinschaftlich gefördertes Unternehmen in Trägerschaft des Landes und der Landkreise, unterstützt durch private lokale Investoren)
- Aufgaben: fachgerechte Bewahrung, Archivierung und Restaurierung, Vermitteln der wissenschaftlichen Erschließung,
von Ausstellungs- und Publikationsmöglichkeiten, Realisierung des Leihverkehrs
- Verankerung privater Künstlernachlässe in Freundeskreise, Kunstvereine, Galerien und Stiftungen zur Bewahrung auch über die Familie des Verstorbenen hinaus
3. Vermittlung von Nachlässen

- Öffentliche Vermittlung an die Forschung, den Ausstellungsbetrieb und den Kunsthandel zwecks höherer Wertbeimessung
- überregionale Vernetzung der Akteure auf der Basis des BKN
- zu lokalen Museen und Archiven, zu Galerien oder zu privaten Kunstsammlern
4. Restaurierung von Nachlässen

- Vermittlung kostengünstiger Gutachten und Angebote
- in kostenintensiven Fällen Unterstützung der Akquise
5. Rechtssicherheit für Nachlässe
- Vermittlung von juristischem Rat
- Willkommen für Unterstützer mit komplexer Fachkompetenz in den Bereichen Erbrecht, Urheberrecht und Vereinsrecht

Thomas Kumlehn und Dr. Liane Burkhardt (Potsdam, März 2017)